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MacBook Pro (Grafikkarte kaputt): einfach im Backofen reparieren

Ein Trick um das MacBook Pro im Backofen selber zu reparieren: Das Logic Board 7 Minuten lang bei 200°C backen und voila: alles wieder heile. Das Ganze klingt völlig unglaublich – ich kann es selber noch nicht ganz fassen – ist aber dennoch wahr. Hier ist die ganze Geschichte:

Das (mein) Gerät ist ein 15 Zoll MacBook Pro Intel Core 2 Duo (Santa Rosa). Gekauft im Juni 2007. Eines Tages ist der Monitor schwarz geblieben. Typischer Fall von „black screen of death“ – die Grafikkarte ist kaputt. Leider ein bekanntes und oft auftretendes Problem bei NVIDIA. Da keine Garantie mehr besteht und eine Beule auf dem Top Case ist hat sich Apple auch geweigert das Logic Board auszutauschen ohne das komplette Gehäuse zu reparieren. Das Logic Board hätten sie kostenlos ersetzt (Kulanz), das Gehäuse aber nicht. Das war mir einfach zu teuer.

In der Verzweiflung bin ich auf einen Messageboard-Eintrag aufmerksam geworden der davon berichtet, dass jemand seine Geforce 8800gtx im Ofen repariert hat. Einfach bei 385 °F (ca. 200 °C) “gebacken”. Also habe ich es auch mal mit meinem Logic Board probiert. Insbesondere, weil ich wusste, dass einige die Grafikkarten auch mit einer Heißluftpistole reparieren. Zu verlieren hatte ich ja nicht viel. Für den Weg mit dem Ofen habe ich mich entschieden, da die Temperatur einfacher dosierbar ist und die Ergebnisse besser reproduzierbar sind als mit der Heißluftpistole.

Meine Erfahrungen möchte ich im Folgenden gerne mit Euch teilen. Insbesondere in der Hoffnung, dass dadurch noch mehr MacBooks gerettet werden können. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich dieser Trick auch auf andere kaputte Laptops anwenden lässt. Zunächst ein Überblick über die Arbeitsschritte, dann die Details:

Arbeitsschritte

  1. Top Case öffnen
  2. Logic Board ausbauen
  3. Logic Board reinigen und vorbereiten
  4. Logic Board backen
  5. Kühlrippe an Logic Board schrauben
  6. Logic Board einbauen
  7. Testen
  8. Top Case einbauen

Benötigte Materialien und Werkzeug

  • kleiner Kreuzschlitz Schraubendreher
  • T6 Schraubendreher (Torx 6)
  • Alufolie
  • Wärmeleitpaste
  • wärmebeständiges nicht elektrisch leitendes Klebeband
  • Kleber

1. Top Case öffnen

Wie man das Top Case öffnet ist super gut von PowerbookMedic in Form von YouTube Videos erklärt (auch als PDF erhältlich). Hier habe ich eigentlich nichts weiter hinzuzufügen und möchte einfach nur die Links liefern:

  1. Battery Removal
  2. Ram Removal
  3. Trackpad Top Case Removal

Das Ganze sollte dann so aussehen:

2. Logic Board ausbauen

Hier bitte aufpassen. Die Steckverbindungen der Kabel werden nicht seitlich rausgezogen sondern mit einem Schraubenzieher nach oben rausgedrückt. Beim Zusammenbau werden sie auch ehr von oben (statt seitlich) drauf gesteckt.

  1. Superdrive Removal
  2. Fan Removal
  3. Logic Board Removal

3. Logic Board reinigen und vorbereiten

Im nächsten Schritt wird das Logic Board gereinigt. Erst diese elektrisch leitenden Kissen entfernen. Dann die alte Wärmeleitpaste entfernen (ich habe das einfach mit Küchenpapier gemacht). Dann den Staub vom Logic Board entfernen (bitte nicht mit Wasser 😉 ). Auch die Kühlrippe muss gereinigt werden (Wärmeleitpaste und Staub).

Nun muss das Logic Board für den Ofen vorbereitet werden. Dazu baut man aus Alufolie kleine Ständer auf denen das Logic Board dann im Ofen steht. Diese Ständer sind kleine Hütchen die in die Schrauben-Löcher des Logic Boards gesteckt werden. Sie dienen dazu, dass das Board im Ofen stehen kann ohne dass elektronische Teile mechanisch belastet werden. Mein Logic Board hat auf fünf solcher Alufolie-Ständer gestanden. Am besten mal selber ausprobieren und den sicheren Stand überprüfen. Hier ein paar Fotos wie das Ganze aussieht:

Die Ständer aus Alufolie bauen (step by step):

Ein fertiger Ständer aus Alufolie:

Der Ständer im Logic Board:

Das stehende Logic Board auf dem Backblech:

Auf der rechten Seite habe ich für die Anschlüsse (USB etc.) des Boards noch ein kleines Dach gebaut. Es sollte dazu dienen, damit die Kunststoffteile etwas vor der Hitze geschützt werden. Ich glaube aber, dass das unnötig ist. Auch die anderen Kunststoffteile haben die Hitze ohne jeden Schaden überstanden.

4. Logic Board backen

Nun geht es wirklich zur Sache. Das Logic Board auf seinen Alufoliefüßen auf einem Backblech platzieren. Dann den Ofen vorheizen (auf ca. 220 °C und Umluft). Da durch das Öffnen beim Einschieben des Backbleches sehr viel Hitze entweicht habe ich den Ofen auf 220 und nicht auf 200 °C vorgeheizt. Wenn der Ofen die Temperatur erreicht hat Backblech rein tun und den Ofen auf 200 °C runterregeln. Mein Ofen hat nach ca. 2 Minuten wieder die eingestellten 200 °C erreicht. Dann habe ich das Logic Board noch weitere 5 Minuten gebacken…

Nach den insgesamt 7 Minuten den Ofen ausschalten, zur Hälfte öffnen und so alles langsam abkühlen lassen.

5. Kühlrippe an Logic Board schrauben

Nun wird die Kühlrippe wieder an das Logic Board geschraubt. Dazu die Kontaktflächen der Chips und der Kühlrippe noch mal gut reinigen. Keine alte Wärmeleitpaste und auch kein Fett darauf zurücklassen. Dann auf jeden Chip einen Streichholzkopf großen Tropfen geben. Die Tropfen auf dem Chip verteilen und dann die Kühlrippe vorsichtig drauf schrauben.

6. Logic Board einbauen

Nun das Logic Board einbauen. Erst rechts die Anschlüsse (USB etc.) reinstecken, dann die Stromversorgung des Boards (unter dem Board links). Darauf achten dass alle kleinen Kabel oben sind, damit man sie später anstecken kann. Schrauben in das Logic Board schrauben aber noch nicht festziehen. Dann Lüfter und Superdrive einbauen und alle Schrauben nach und nach immer ein bisschen fester ziehen. Dann alle Stecker wieder anklipsen.

Damit Ihr die Schrauben auch wieder an der richtigen Stelle einbaut, habe ich unten noch ein Bild eingefügt. Wenn Ihr es anklickt öffnet es sich in voller Auflösung. Dort sollte man ziemlich gut sehen können wo welche Schraube hinkommt…

MacBook-Pro-volle-aufloesung

7. Testen

Nun den Speicher einbauen und links und rechts auf das geöffnete Gehäuse je einen Din-A4 Zettel legen. Als Isolation. Dazwischen habe ich das Keyboard angeschlossen. Nun noch das Netzteil anschließen, auf „an“ drücken – und siehe da – die Kiste läuft wieder (jedenfalls bei mir und hoffentlich auch bei Euch).

8. Top Case einbauen

Nun müssen die Klebstoffstreifen zum Halten der Kabel erneuert werden. Hier bin ich mir noch unsicher ob ich einfaches Iso-Band „aus dem Baumarkt“ verwenden kann oder ein spezielles Klebeband erforderlich ist. Das Band sollte nicht schmelzen und auch keinen Strom leiten. Hat jemand von Euch eine Idee?

Außerdem müssen auch diese elektrisch leitenden Kissen wieder angeklebt werden. Mal schauen wie ich das mache – an diesem Schritt bin ich noch nicht. Hat auch hier jemand eine Idee? Gibt es elektrisch leitenden Klebstoff?

Danach das Top Case einfach wieder draufschrauben.

Sooo… das war’s

So weit so gut. Ich hoffe sehr, dass durch diese Anleitung noch einige MacBooks mehr gerettet werden können. Die Biester sind einfach zu teuer sexy um einfach so kaputt zu sein. Solltet Ihr noch Fragen, Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge haben könnt Ihr sie gerne hier posten.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich sehr viel positives Feedback zu diesem Artikel bekommen. Viele Macs (und sogar eine Xbox) wurden repariert und viel Geld konnte gespart werden. Deshalb würde ich mich freuen, wenn Ihr hier einen Kommentar hinterlasst (egal ob es mit Eurem Mac funktioniert hat oder nicht) oder meinen Blog einfach selber verlinkt.

Hintergrund Informationen – Warum gehen die Grafikkarten immer kaputt?

Heutige Grafikchips (GPUs) sind mit einer Technologie namens Ball Grid Array auf den Platinen befestigt. Die GPUs werden nicht mehr mit kleinen Beinchen angelötet, sondern “schwimmen” auf winzigen Lotperlen. Diese Art der Verbindung ist jedoch sehr anfällig gegenüber thermischen- und mechanischen Spannungen. Die Verbindungen reißen und werden unterbrochen.

Der Defekt kann behoben werden wenn man das Lot durch Erhitzung kurz verflüssigt. Deshalb der Ofen bzw. die Heißluftpistole.

Das Problem ist sehr bekannt und tritt auch bei “normalen” Grafikkarten für den Desktop Bereich auf. Hier ein paar Links zu dem Thema: